Was sind Chlamydien

40017Im Gegensatz zu vielen anderen Bakterien der Gattung Chlamydia infiziert die Bakterienart Chlamydia trachomatis ausschließlich den Menschen. Die Chlamydien-Infektion zählt weltweit zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Dabei kommt es zu Infektionen der äußeren und inneren Geschlechtsorgane sowie der Harnwege. Mediziner beschreiben Chlamydien deshalb oft auch als die Haupterreger von Urogenitalinfektionen.

Allerdings gibt es verschiedene Untergruppen von Chlamydia trachomatis, die sogenannten Serotypen. Diese sind jeweils auch für unterschiedliche Krankheiten verantwortlich, die nicht immer unbedingt etwas mit dem Genitalbereich zu tun haben:

Serotypen A-C: verursachen schwere Augenentzündungen (medizinisch: Trachom)
Serotypen D-K: verantwortlich für Entzündungen des Gebärmutterhalses, der Eileiter und der Harnröhre, in seltenen Fällen Gelenkentzündungen (medizinisch: reaktive Arthritis)
Serotypen L1-L3: verursachen Entzündungen und Geschwüre am Genital mit Schwellung der Leistenlymphknoten (medizinisch: Lymphogranuloma venereum)

Chlamydien bleiben oft unerkannt weil Symptome fehlen

Weil Chlamydia trachomatis keiner Meldepflicht unterliegt, fehlen exakte Zahlen. Schätzungen zufolge kommt es jedoch allein in Deutschland zu jährlich etwa 300 000 genitalen Neuinfektionen, die auf eine Infektion mit Chlamydien zurückzuführen sind. Vor allem bei Frauen zeigen sich selten Symptome, sodass die Infektion in vielen Fällen unerkannt bleibt. Daraus ergibt sich das Problem, dass eine wirksame Behandlung nicht rechtzeitig oder gar nicht erfolgt. Neben den für die Krankheit typischen Komplikationen besteht somit die Gefahr, dass mit Chlamydien infizierte Männer und Frauen, ohne sich dessen bewusst zu sein, andere Personen anstecken.

Chlamydien: Auslöser von Geschlechtskrankheiten

Wie bereits beschrieben, verursacht die Infektion in Abhängigkeit von der jeweiligen Chlamydienart, verschiedene Erkrankungen. Wer jedoch im deutschen Sprachraum von einer Chlamydien-Erkrankung spricht, meint in der Regel die Infektion mit Chlamydia trachomatis, Serotypen D-K. Dabei handelt es sich um eine Geschlechtskrankheit, bei der sich die Geschlechtsorgane und die Harnwege entzünden.

Die häufigste Ursache für eine Infektion ist ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einer bereits infizierten Person. Eine Sonderstellung nimmt allerdings die sogenannte Neugeboreneninfektion ein. Hier werden die Bakterien beim Durchtritt durch den infizierten Geburtskanal von der Mutter auf das Kind übertragen.

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Mythos Toilettensitz

Manche Menschen haben Angst, dass sie sich die Geschlechtskrankheit auch in der Sauna, im Schwimmbad oder auf der Toilette zuziehen könnten, ohne überhaupt direkt in Kontakt mit einer bereits infizierten Person zu treten. Obwohl es richtig ist, dass beispielsweise über verunreinigtes Badewasser die Augen infiziert werden können, ist eine Übertragung von Chlamydien Serotypen D-K per Toilettensitz oder Saunabank bei normaler Nutzung nicht möglich. Die Erreger können ausschließlich die Schleimhäute besiedeln. Dorthin gelangen sie jedoch vom Po oder der äußeren Scheide ausgehend mit Sicherheit nicht.

Infektion und Verbreitung

Die Chlamydien dringen über die Schleimhaut des Gebärmutterhalses oder der Harnröhre weiter in den menschlichen Körper vor.

Hier heften sich die sogenannten Elementarkörperchen des Bakteriums zuerst an die Wirtszellenmembran an. Als Wirtszellen dienen Schleimhautzellen. Diese weisen auf ihrer äußeren Hülle verschiedene Eiweißstrukturen auf. Bestimmte Eiweißstrukturen der Chlamydien-Elementarkörperchen wiederum erkennen diese Membranstrukturen und docken, ähnlich wie Schlüssel und Schloss, genau an der passenden Stelle an. Dieses Andocken löst in der menschlichen Schleimhautzelle „Alarm“ aus. Die Wirtszelle setzt alles daran, die auf ihrer Membran festsitzende Bakterie einzustülpen, ins Zellinnere zu transportieren und dort in einem Bläschen (medizinisch: Vakuole) einzukapseln. Auf diese Weise eingeschlossen, gelangen die Chlamydien von der äußeren Membran in das Innere der Zelle. Deshalb nennt sie Volksmund oft auch „Einschlusskörperchen“.

Etwa zwölf Stunden nach der Infektion beginnt die Zellteilung

Innerhalb der Vakuole aktivieren die Elementarkörperchen massiv ihren Stoffwechsel. Etwa zwölf Stunden später beginnt ihre Vermehrung durch Zellteilung. Dadurch dehnt sich die Vakuole immer mehr aus und sprengt schließlich nach weiteren zwei bis drei Tagen die Zelle auf. Dabei entlässt sie die durch Teilung neu entstandenen Chlamydien in die Schleimhaut. Die Infektion schreitet explosionsartig voran und breitet sich immer weiter aus.

 

Krankheitsverlauf

MagenproblemeEine Chlamydien-Infektion der Geschlechtsorgane und Harnwege mit Serotypen D-K bleibt oft unbemerkt, weil kaum Beschwerden auftreten. Deshalb ist es ratsam, auch bei sehr schwachen Symptomen einen Arzt aufzusuchen. Sofern er die Krankheit rechtzeitig erkennt und so früh wie möglich eine ambulante Antibiotika-Therapie startet, bestehen sehr gute Aussichten, dass sie innerhalb von zwei bis drei Wochen vollständig und ohne weitere Komplikationen ausheilt.

Bleibt die Krankheit jedoch unbehandelt, besteht das Risiko, dass sie sich weiter ausbreitet. Hierbei gibt es bei Männern und Frauen folgende geschlechterspezifische Unterschiede:

Krankheitsverlauf bei Frauen: bis zur Unfruchtbarkeit

Die Entzündung steigt vom Gebärmutterhals aus über die Gebärmutter in die Eileiter auf und breitet sich in Einzelfällen sogar bis in den Bauchraum aus. Bleibt die Krankheit unerkannt, wird die Eileiterentzündung chronisch, was zum Verkleben der Eileiter und damit zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen kann. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 100 000 Frauen von Unfruchtbarkeit infolge einer Chlamydien-Infektion betroffen. Aber auch Bauchhöhlenschwangerschaften oder Fehlgeburten gehen nicht selten auf das Konto dieser Erreger.

Krankheitsverlauf bei Männern: Entzündungen und vielleicht Sterilität

Hier lösen die Chlamydien zunächst eine Entzündung der Harnröhre aus, die sich unbehandelt im späteren Verlauf auf die Nebenhoden und die Prostata ausweiten kann. Mediziner vermuten, dass eine Chlamydien-Infektion unter Umständen auch der Grund für eine Sterilität sein kann. Allerdings fehlen hierfür bisher eindeutige Beweise.

Besonderheiten beim Verlauf der Neugeboreneninfektion

Untersuchungen zufolge übertragen 60 bis 70 Prozent aller infizierten, unbehandelten Frauen Chlamydia trachomatis, Serotypen D-K während des Geburtsvorganges auf ihr Kind. Die Folgen sind Lungenentzündung und/oder eine Bindehautentzündung beim Neugeborenen. In seltenen Fällen tritt auch eine Mittelohrentzündung auf. Deshalb gehört der Chlamydien-Test schon seit vielen Jahren zur vorgeburtlichen Vorsorge. Selbstverständlich ist es am besten, wenn der Arzt eine Infektion bereits vor der Schwangerschaft diagnostiziert und behandelt.

Quellen:
http://www.onmeda.de/lexika/krankheitserreger/a-z/chlamydia_trachomatis.html
http://www.apotheken-umschau.de/Krankheiten/Chlamydien-Unerkannte-Gefahr-106659.html
http://www.cyberdoktor.de/cgi-bin/wwwthreads/showflat.pl?Cat=&Board=sexmed&Number=24579&page=&view=&sb=