Chlamydien – andere Erkrankungen

In der Humanmedizin sind grundsätzlich drei Spezies der Bakterien-Gattung Chlamydia von Bedeutung:

402911. Chlamydia trachomatis mit den verschiedenen Serotypen

2. Chlamydia psittaci
3. Chlamydia pneumoniae

Während sich die vorhergehenden Ausführungen bereits ausführlich mit den Geschlechtskrankheiten infolge einer Infektion mit Chlamydia trachomatis, Serotypen D-K beschäftigen, geht es in diesem Kapitel um weitere durch Chlamydien verursachte Krankheiten.

Trachom – Chlamydia trachomatis der Serotypen A – C

Mit schätzungsweise 500 Millionen Erkrankten handelt es sich beim Trachom um die weltweit häufigste Augenkrankheit. Millionen Menschen, die Mehrzahl von ihnen Kinder, sind bereits daran erblindet. Das Trachom als Folge einer Chlymadien-Infektion ist zumeist an schlechte hygienische Bedingungen, Wasserknappheit und trockenheißes Klima sowie eine hohe Bevölkerungsdichte gebunden. Die Erkrankung kommt deshalb in den Industriestaaten eher selten, in den Ländern der sogenannten „Dritten Welt“ dagegen sehr häufig vor. Die Infektionskrankheit ist meldepflichtig.

Infektionsweg

Die Übertragung findet zumeist durch Schmierinfektion statt, wie sie beispielsweise bei der Nutzung eines Handtuches von mehreren Personen auftreten kann. Zahlreiche Wissenschaftler sehen auch Fliegen als Überträger der Keime an.

Symptome eines Trachoms

  • anfangs akute, später chronische Bindehautentzündung
  • die Wimpern wachsen nach innen
  • es entsteht eine Art „Körnung“ der Hornhaut
  • die Hornhaut trübt sich ein
  • die Hornhaut vernarbt schließlich und zerfällt

Unbehandelt führt die Infektion zumeist zur vollständigen Erblindung.

Therapie und Vorbeugung

Das infizierte Auge wird in der Regel operativ behandelt. Dabei korrigiert der Chirurg die Lidfehlstellung und beseitigt somit das Scheuern der Wimpern auf der Hornhaut. Ist die Hornhaut bereits massiv geschädigt, kann er eine „künstliche Hornhaut“ einsetzen und damit dem Patienten womöglich das Augenlicht retten. Zusätzlich wird der Arzt eine Therapie mit Antibiotika starten.

Die beste Vorbeugung ist die Aufklärung und Schulung bezüglich der hygienischen Grundregeln. Ein sauberes Gesicht reduziert das Risiko einer Schmiereninfektion beträchtlich. Außerdem ist sauberes, keimfreies Wasser wichtig.

Chlamydia trachomatis L1 – L3

40016Bei der Infektion mit Chlamydia trachomatis der Serotypen L1-L3 handelt es sich ebenfalls um eine Geschlechtskrankheit, der Lymphogranuloma inguinale. Sie tritt vorwiegend in tropischen Ländern auf, in Europa ist sie äußerst selten.

Lymphogranuloma ist eine Chlamydieninfektion, die sich ausschließlich auf genitalem Weg überträgt. Je nach Sexualpraktik ist die Vagina, der Penis oder der Enddarm betroffen. Bei Oralverkehr kann sich unter Umständen auch die Rachenschleimhaut infizieren.

Bleibt die Krankheit unbehandelt, geht sie nach Jahren in einen chronischen Zustand über. Es bilden sich Fisteln und Abszesse. Schließlich kann die Lymphflüssigkeit nicht mehr ordentlich abließen. Die Folge ist unter Umständen die sogenannte Elephantiasis des Genitals.

Symptome

In einem Zeitraum von wenigen Tagen bis zu drei Wochen bildet sich an der betroffenen Körperstelle ein zunächst schmerzfreier Knoten. Zumeist schwellen auch die in der Region befindlichen Lymphknoten teilweise extrem an.

Weitere Symptome sind:

  • der Knoten am Genital, im Enddarm oder im Rachen zerfällt zu einem Geschwür
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Fieber
  • später vereitern die betroffenen Lymphknoten und sind extrem schmerzempfindlich
  • Flüssigkeitseinlagerungen in den Genitalien
  • Wucherungen im Analbereich und an den inneren Genitalien erschweren das Urinieren und den Stuhlgang

Therapie und Vorbeugung

Die Bekämpfung der Bakterien erfolgt mithilfe einer Antibiotika-Therapie, wobei zwingend alle Sexualpartner mit behandelt werden müssen. Die Therapie dauert drei Wochen und verspricht bei rechtzeitigem Einsetzen eine gute Aussicht auf vollständige Heilung.

Das Risiko, an Lymphogranuloma inguinale zu erkranken, lässt sich, unabhängig von der Sexualpraktik, durch die konsequente Nutzung von Kondomen, beträchtlich senken.

hund und katze

Ornithose – Chlamydia psittaci

Bei einer Ornithose handelt es sich um eine Entzündung der Atemwege. Vögel, wie Tauben, Wellensittiche oder Papageien, aber auch Säugetiere, wie Hunde, Katzen, Mäuse, Schafe oder Rinder können Träger des Erregers sein. Der Volksmund nennt diese Erkrankung oft auch Papageienkrankheit.

Infektionsweg

Der Keim gelangt zumeist über das Einatmen von infiziertem Vogelkot oder Staub auf den Menschen. Schmierinfektion ist jedoch auch möglich. Dabei kann das Bakterium verschiedene Wandlungsstufen durchlaufen, was es resistent gegenüber äußeren Einflüssen, wie hohen Temperaturen, Austrocknung oder Frost macht.

Symptome einer Ornithose

Es gibt zwei grundsätzliche Verlaufsformen der Krankheit:

Die ungefährlichere Form verursacht Symptome, die einer Grippe ähneln. Sofern die Behandlung mit Antibiotika rechtzeitig erfolgt, heilt die Krankheit nach drei bis vier Wochen ohne weitere Folgen aus.

Die gefährlichere Erkrankungsform manifestiert sich zumeist in einer schweren Lungenentzündung. Krankheitszeichen sind:

  • Gliederschmerzen
  • extreme Kopfschmerzen, vor allem in der Stirn und in den Schläfen
  • tagelanger stetiger Temperaturanstieg
  • Schüttelfrost

Manchmal verteilen sich die Erreger auch über die Blutbahn im gesamten Körper und lösen weitere schwere Beschwerden, wie Herzentzündung, Benommenheit oder Schlaflosigkeit aus.

Komplikationen

Die Sterblichkeitsrate infizierter Personen liegt durchschnittlich bei 30 bis 50 Prozent.

Therapie und Vorbeugung

Eine Therapie ist ausschließlich mit Antibiotika möglich. Die Krankheit ist in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern auch, meldepflichtig. Besonders infektionsgefährdet sind Personen, die sich ihrer Freizeit oder beruflich mit Vögeln beschäftigen. Bevor exotische Vögel verkauft werden dürfen, müssen sie veterinärmedizinisch untersucht sein. Antibiotische Beigaben zu Tierfutter senken außerdem das Risiko eines Keimbefalls. Dieses Vorgehen ist in Hinblick auf die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen bei Nutztieren allerdings sehr umstritten.

Frau hustet

Atemwegsinfektion – Chlamydophila pneumonia

Die Chlamydien-Art Chlamydia pneumoniae als Verursacher von Atemwegsinfektionen entdeckte die Wissenschaft erst 1986. Seither vermuten die Experten außerdem einen Zusammenhang zwischen einer Chlamydien-Infektion und Gefäßverkalkung, der Arteriosklerose.

Infektionsweg

Die Ansteckung erfolgt in der Regel über Tröpfcheninfektion, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Küssen.

Symptome einer pneumatischen Chlamydien-Infektion

Typische Symptome sind Reizhusten, der begleitet wird von Auswurf. Dazu kommt häufig Fieber und später dann eventuell eine Lungenentzündung.

Die Infektionskrankheit tritt gerade bei Heranwachsenden zwischen dem 13. und 25. Lebensjahr recht häufig auf. Zumeist sind keine Komplikationen zu befürchten. Seltene Folgen können eine Herzmuskel- oder Herzinnenhautentzündung oder eine reaktive Arthritis sein.

Therapie und Vorbeugung

Wie beinahe alle Infektionskrankheiten, deren Auslöser Bakterien sind, ist auch bei einer Atemwegserkrankung infolge einer Infektion mit Chlamydophila pneumonia eine Antibiotika-Therapie die erste Wahl. Direktes Vorbeugen ist leider nicht möglich. Allerdings stärkt eine ausgewogene Ernährung und eine allgemein gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf und Bewegung das Immunsystem, was grundsätzlich einen recht guten Schutz gegen Infektionskrankheiten darstellt.